1. Preis (1001)

Architektur:
wulf architekten gmbh, Stuttgart 

Freianlagen:
WES & Partner GbR Landschaftsarchitekten, Hamburg

Tragwerksplanung:
Ingenieurgesellschaft Meiss Grauer Holl mbH & Co. KG, Stuttgart

TGA:
Klett Ingenieure mbH, Fellbach
 

Erläuterungen

Die Verfasser schlagen vor, einen trigonal aufgebauten, unregelmäßig hexagonalen Baukörper zu positionieren, der im Norden einen Vorplatz bildet und im Süden den neuen Campusplatz definiert. Der Baukörper ist im Erdgeschoss durchlässig. Ein zentraler, vertikaler Luftraum verbindet die Ebenen, über die sich die offenen Lern-, Kommunikations- und Arbeitsbereiche in die Höhe entwickeln. Die südliche Platzfläche wird durch hellen sandsteinfarbigen Plattenbelag geprägt, Intarsien bilden kreisförmige Rasen- und Kiesflächen, überlagert von Solitärbäumen mit hohem Kronenansatz. Wichtiges Gestaltungselement sind drei linear angeordnete Wasserfontänenbänder. Farbige Sitzobjekte werden auf dem Gelände verteilt, im Bereich des Eingangs Nord könnte eine hohe vertikale Skulptur die Eingangssituation inszenieren. Im Erdgeschoss sind die großen Hörsäle um das zentrale Foyer angeordnet. Sie sind zusammenschaltbar und mit direktem Anschluss an das Foyer und Café. Im 1. und 2. Obergeschoss finden sich Seminarräume sowie Gruppenarbeits- und Lernbereiche. Im 3. Obergeschoss sind die Praktikumslabore mit zugeordneten Seminarräumen untergebracht. Das 4. Obergeschoss ist zurückversetzt und nimmt die Büro- und Verwaltungsbereiche auf.

Beurteilung

Strukturgebend für den Entwurf ist ein aus Dreiecksfeldern bestehendes Tragsystem. Die Verfasser*innen begründen dies auch nachvollziehbar, dass dies einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und zur zügigen und präzisen Bauabwicklung leistet. Das Prinzip der Serialität und Vorfertigung drückt sich in einer ebenfalls seriellen Fassadenanmutung aus, die mit großen Fensterflächen einen teilweise industriellen und dennoch warmen Charakter hat. Der robuste Charakter wird ergänzt mit Sonnenschutzelementen, die der Fassade eine Leichtigkeit geben. 

Aufbauend auf das Tragsystem wird das Gebäude symmetrisch an die nordöstliche Grundstücksecke gesetzt. Ein gut proportionierter Eingangsplatz führt zu einem axial gelegenen Eingang. Im Inneren ist der Nordeingang sinnfällig direkt mit dem großzügigeren Südeingang verknüpft. Die großzügigen und gut proportionierten inneren Erschließungsflächen können als Treffpunkt, Ausstellungsfläche und Lernort genutzt werden. Sie grenzen an das Café und bilden gleichzeitig die Vorzone für die Hörsäle. Es entsteht dadurch eine optimale Nutzung des Erdgeschosses, die eine sehr gute Orientierung im Gebäude ermöglicht und sehr gut im Zusammenhang mit den angrenzenden öffentlichen Räumen funktioniert. Die Hörsäle können sehr flexibel genutzt und durch Tageslicht belichtet werden.

Die vertikale Erschließung erfolgt über drei gleichwertige Treppenkerne. Das Fehlen einer zentralen großzügigen Erschließung wird in der Jury unterschiedlich bewertet und zum Teil als eines der wenigen Mankos dieses ansonsten sehr sorgfältig durchgearbeiteten Entwurfes gesehen. Dies wird in Teilen durch den zentralen Lichthof kompensiert. Dessen leichtes Verspringen in den Geschossen schafft spannungsreiche Sichtbezüge und unterstützt die Orientierung im Gebäude.

Die Lernbereiche im 1. und 2. OG sind vielfältig und ermöglichen unterschiedliche Arbeitssituationen. Die vertikale Anordnung der Nutzung ist sinnfällig.

Der robuste Charakter und die haptische Qualität des Gebäudes leisten einen positiven und angemessenen Beitrag zur angestrebten Atmosphäre.