2. Preis (1007)

Architektur:
Ferdinand Heide Architekt Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt a.M. 

Freianlagen:
Die Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder, Wiesbaden

Tragwerksplanung:
Professor Pfeifer und Partner Part GmbB, Darmstadt

TGA:
Alhäuser+König Ingenieurbüro GmbH, Hachenburg

Brandschutz:
IBC Ingenieurbau-Consult GmbH, Mainz

Erläuterungen

Die Erdgeschossgestaltung formuliert ein dreiseitig offenes Foyer, das das Haus mit dem öffentlichen Stadtraum vernetzt. Es entstehen sichtbare Raumbeziehungen zu den oberen Foyerebenen. Diese Transparenz bildet sich auch in den Fassaden ab. Die Cafeteria entwickelt sich über die volle Breite des Campusplatzes. Auf der westlichen Seite des Gebäudes liegen alle „öffentlichen“ Säle. Das Dekanat bildet zusammen mit der Fachschaft und dem Prüfungspool das Staffelgeschoss. Ein vermeintlich massives Hörsaalvolumen, das sich durch alle Geschosse steckt und in den oberen Ebenen auch den Rechnerpool und die Technikzentrale aufnimmt, wird von offenen Erschließungs-, Kommunikations- und Arbeitsflächen umspielt. Im Bereich der zweigeschossigen Hörsäle bringen geschossweise in den Baukörper eingeschnittene „tiefe“ Fenster als Außenraum Tageslicht bis an das Hörsaalvolume. 

Beurteilung (Auszug)

Die Arbeit besticht durch ihre übersichtliche Organisation der geforderten Programmflächen. Sie erreicht dies durch die Innenlage der großen Hörsäle, um die sich die Erschließungs-, Foyer- und Lernflächen sowie die weiteren Gruppenräume legen. Durch diese Organisation ist es möglich, eine großzügig belichtete, vollflächig erschlossene und räumlich anregende Binnenzone zu schaffen, die ein angemessenes und vielfältiges Raumangebot und eine lebendige Atmosphäre schafft. 

Insbesondere die Offenheit des Erdgeschosses zur Gleueler Straße, nach Westen und zum Campusplatz wird gewürdigt. Das Café ist richtig positioniert, ebenso der Stadtplatz nach Nordosten, der den Kontakt zum Stadtteil herstellt und ebenfalls der Erschließung des Gebäudes dient. Das Erdgeschoss ermöglicht durch seine großflächige Offenheit ein Höchstmaß an Flexibilität und gibt alle möglichen Veranstaltungen optimal Raum. Diese strukturelle Klarheit des Erdgeschosses setzt sich auf allen Ebenen fort und verleiht dem Gebäude eine wohltuende Ruhe mit entsprechender Orientierung. 

Anerkannt wird, die Hörsäle trotz Innenlage mit Tageslichtöffnungen zu versehen, sodass eine Außenwahrnehmung bei gleichzeitig gewünschter Konzentration ermöglicht bzw. erfahrbar bleibt. Bedauert wird hingegen, dass die Gruppenräume an der Joseph-Stelzmann-Straße nur über einen schmalen Flur / Korridor erschlossen werden, die der Raumqualität der anderen Flächen nicht entspricht. 

Die gezeigten freundlichen Fassaden sind diszipliniert in Materialität und Struktur und geben insbesondere zum Campus Platz eine mögliche Fassung. Eine Transparenz lässt das Gebäude insbesondere in den Abendstunden zu einem leuchtenden Baustein werden und verschafft ihm an dieser Stelle die gemeinschaftliche Qualität als Auftakt des Universitätscampus. Der Außenraumperspektive fehlt es hier noch an Glaubwürdigkeit.

Insgesamt zeigt die Arbeit eine sehr gute Antwort auf die Aufgabenstellung und überzeugt durch zahlreche funktionale, räumliche und ästhetische Qualitäten.