Anerkennung (1006)

Architektur:
Henn GmbH, München

Freianlagen:
Ramboll GmbH, Überlingen

Tragwerksplanung:
Büro Happold GmbH, Berlin

TGA:
Büro Happold GmbH, Berlin

Weitere Fachplaner:
Nees-Ingenieure, Münster
 

Erläuterungen

Das Gebäude nimmt alle räumlichen Kanten der Umgebung auf. Das so definierte Volumen, wird durch zwei keilförmige Einschnitte aufgebrochen und durch einen zentralen Hörsaalkern akzentuiert. Die beiden Lufträume, dienen neben der Orientierung vorrangig der Erschließung. Der nördliche Luftraum, bildet das öffentliche Entree zur Gleueler Straße. Ein zweiter, nach Westen ausgerichteter Eingang nutzt den neu-entstehenden Campusplatz als öffentlichen Vorraum und führt die Studierenden durch das Gebäude hindurch. Neben den Hörsälen stehen die verbindenden Orte dazwischen im Mittelpunkt. Die übereinander gestapelten Hörsäle bilden das Zentrum des Gebäudes und werden von offenen Lernzonen umspült. Die Büros und Seminarräume werden als weiterer Layer um diese Zone gelegt. Der zum Foyer hin erweiterbare Hörsaal im Souterrain wird über eine großzügige Freitreppe erreicht. Die Freitreppe kommuniziert zudem durch die offene Gebäudefassade im EG mit dem zukünftigen davorliegenden Campusplatz. Dieser ist mit wiederverwendbaren, robusten und durchlässigen Belägen in Kombination mit Klinkersteinaufkantungen, wie z.B. Sitzmauern geprägt. Die Pflanzenauswahl folgt der potenziellen natürlichen Vegetation.

Beurteilung (Auszug)

Das Gebäudevolumen definiert zwei keilförmige Einschnitte und formuliert eine Ecke nach Nord-Osten. Der Einschnitt im Nordosten mit der schmalen sehr hohen Eingangshalle und der zweite Einschnitt nach Süden, der jedoch nicht den Eingang markiert entwickeln das Gebäude insgesamt nicht zum Campusplatz. Das Gebäude orientiert sich mehr auf sich selbst als auf den Campusplatz.

Der innenliegenden Hörsaalblock, der kein natürliches Licht benötigt, wird als interessanter Ansatz gewürdigt. Durch die Innenlage können dreiseitig und regelmäßig nach außen gut die weiteren Räume organisiert werden. Der Preis hierfür ist jedoch, dass die beiden Eingangszonen als vom Hörsaalblock isoliert wahrgenommen werden. Die Umspülung des großen Saalkörpers mit Lernzonen kann das Problem der Teilung aller öffentlichen Zonen nicht aufheben.

Die Hörsaalräume haben aufgrund der großzügigen Raumhöhen eine gute Qualität. Der größte Hörsaal hat allerdings den Zugang aus der -1 Ebene, was kontrovers diskutiert wird. Dies wird durch eine kommunikative Treppenzone kompensiert, die aus dem Untergeschoss ins Erdgeschoss fließt. Zwar laufen die Fluchtwege aus den Hörsälen nicht direkt ins Freie, dies kann aber durch eine Umleitung in die Untergeschosse gelöst werden.

Die Keramikfassade erzählt nicht die Geschichte des Gebäudes. Sie erscheint in ihrer formalen Realität als vom Raumkonzept gänzlich abgelöstes Thema.

Die Attraktion des Konzeptes, die verdunkelten Räumen nach Innen zu legen, wird als Inversion gewürdigt. Sie bietet in der Durcharbeitung aber zu wenige Vorteile für den auf öffentliche Begegnung angewiesenen vorgelagerten Campusplatz und das Lerngebäude insgesamt.